Brief des GPGR an Landrat Adenauer zur Aussetzung der Abschiebung von Gegham Hakobyan
08.11.2020 kl. 09:07 skrev Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!:
Sehr geehrter Herr Dr. Adenauer,
wir sind insgesamt 12 ehrenamtliche sowie 4 hauptamtliche Mitglieder des Gesamtpfarrgemeinderates und damit die Vertreter aller Katholiken im Pastoralverbund Stockkämpen, dem die katholischen Kirchengemeinden Stockkämpen, Borgholzhausen-Brincke, Halle-W., Steinhagen, Versmold und Werther angehören. Wir wenden uns heute an Sie als Leiter der Behörde, die für die aufenthaltsrechtliche Genehmigung des Gegham Hakobyan zuständig ist.
Wie Ihnen sicherlich bekannt ist, handelt es sich bei Herrn Hakobyam um einen Armenier, der durch einen unsäglichen Unfall in seiner Heimat während der Verrichtung seines Militärdienstes eine Verletzung erlitten hat, die zu einer Querschnittbehinderung im hohen Bereich seiner Wirbelsäule geführt hat. Seither ist Herr Hakobyam in einer Weise pflegebedürftig, dass er ohne professionelle Hilfe seinen Lebensalltag nicht bestreiten kann. Im Übrigen sorgt sich sein Vater im Alltag für dessen Wohlergehen. Zwischenzeitlich ist sein Aufenthaltsrecht in Deutschland allerdings in der Weise beschieden worden, dass ihm die Abschiebung in sein Heimatland droht, wo er mit sehr großer Wahrscheinlichkeit sich selbst überlassen diese Hilfe nicht bekommen könnte.
Aus juristischer Sicht soll die Richtigkeit der getroffenen Entscheidung keinesfalls in Zweifel gezogen werden. Dennoch erscheint uns gerade in diesem Fall die Abschiebung eine unverhältnismäßig große Härte darzustellen. Der Vater, der sich nach unserer Kenntnis zu Recht in Deutschland aufhält und sich hier um seinen schwerstbehinderten Sohn kümmern kann, würde seinen Sohn allein nach Armenien gehen lassen müssen, wo dieser einem ungewissen Schicksal ausgesetzt wäre. Gerade in einer Konstellation, die unweigerlich die Trennung des Sohnes von der wesentlichen Bezugsperson in seiner Familie zur Folge hätte, stellt für uns eine humanitäre Härte da, die den Vollzug einer juristisch richtigen, aber aus unserer Sicht unmenschlichen Entscheidung bedeutete.
Wir denken, dass diesem exorbitanten Einzelfall nicht allein mit dem Recht begegnet werden kann, vielmehr bedarf es eines ausgeprägten Sinnes für Barmherzigkeit, damit einem weitestgehend hilflosen Menschen die Zuwendung zuteilwerden kann, die er für ein würdevolles Leben braucht.
Bitte helfen Sie Herrn Hakobyan und sorgen Sie dafür, dass ihm nicht weiter die Abschiebung droht, vielmehr ihm endgültig gnadenhalber der Aufenthalt in Deutschland erlaubt wird. Uns ist bewusst, dass in einem Rechtsstaat ein Gnadenakt durchaus auf besonderen Umständen beruhen muss, diese sind allerdings bei Herrn Hakobyam nach unser aller festen Überzeugung gegeben.
Für Ihren Einsatz zugunsten von Herrn Hakobyam danken wir Ihnen im Voraus.
Mit freundlichen Grüßen
Gesamtpfarrgemeinderat des Pastoralverbundes Stockkämpen